TSV Seckmauern 1912 e.V.

Lützelbach-Seckmauern - Kontakt: 09372 72791


Name: Benjamin Bertholdt

Geboren am 14.05.1982 in Offenbach

Wohnhaft in Haingrund

Spielertrainer beim TSV Seckmauern seit 1. Juli 2009

Beruf: Groß- und Außenhandelskaufmann

Arbeitsplatz: Firma Graeff, Container & Hallenbau in Mannheim

 







Wie geht es dir? Kannst du nach deiner langen Verletzungspause am Sonntag gegen TV Nieder-Klingen auflaufen?

Mir geht es soweit gut. Falls bis zum Sonntag nichts dazwischen kommt, dann werde ich wieder spielen. Im Training hat soweit alles gehalten.


Jeder kennt dich beim TSV Seckmauern und jeder mag deine Art Fußball zu spielen. Erzähle uns doch bitte mal deinen fußballerischen Werdegang.
Angefangen habe ich in der F-Jugend in Seckmauern, habe dort gespielt bis zur C-Jugend, danach bin ich in die B-Jugend nach Zell gewechselt. Dort habe ich gespielt bis erstes Jahr A-Jugend. Anschließend ging ich nach Jügesheim (SV), von da aus zu Darmstadt 98 und dann vom VfR Mannheim über Viktoria Aschaffenburg wieder zurück nach Seckmauern.


Seckmauern ist deine erste Trainerstation. Was macht für dich der Unterschied zwischen Spieler, Trainer bzw. Spielertrainer?
Es ist eigentlich kein großer Unterschied zu den Jahren vorher. Da haben wir (Manuel und ich) ja auch schon sehr viel mitgeholfen und (das Sagen) auf dem Platz gehabt, obwohl wir nur Spieler waren.
Es wird nicht einfach, das war schon vor Rundenbeginn klar. Durch die ganze Situation, den vielen Verletzten und Gesperrten ist es dann doch ein bisschen schwerer geworden als wir uns das gedacht hatten. Aber im Großen und Ganzen ist es doch so wie wir uns das vorgestellt haben, weil die Spieler das auch befürwortet haben und alle sehr gut mitziehen.


Es ist momentan bestimmt ziemlich stressig für dich. Wärst du in der jetzigen Situation deshalb lieber Spieler als Spielertrainer?
Nein, stressig ist es nicht. Es macht sehr sehr viel Spaß mit den Jungs zu arbeiten und zuhause Trainingsinhalte auszuarbeiten, zusammen mit Manuel (Seifert). Es ist schon ok so.


Seckmauern hat mit dir und Manuel Seifert gleich zwei Spielertrainer, eine besondere Konstellation. Wie sind die Aufgaben zwischen euch verteilt? Wer hat das Sagen? Wer hält zum Schluss den Kopf für irgendetwas hin?
Bei uns ist es so, dass keiner für irgendetwas den Kopf hinhalten muss. Es ist so, dass wir uns sehr gut ergänzen. Manuel ist für die spielerischen Elemente, Passübung und so weiter zuständig, ich bin mehr für die Taktik und die Konditionsschulung verantwortlich. Wir ergänzen uns da sehr gut. Dass ich auf dem Spielfeld etwas lauter bin liegt an mir als Spielertyp, an der Mehr- Erfahrung, die ich habe und an der Position, die ich spiele. Manu ist vorn im Sturm und ich im Mittelfeld, da habe ich das Spiel vor mir. Aber, wie gesagt, wir ergänzen uns sehr gut.


Besitzt du eine Trainerlizenz?
Nein, noch nicht, aber es ist angedacht im Sommer den C-Schein zu machen.


Ihr (die Spieler und du) kennt euch alle sehr gut, geht öfters auch zusammen aus. Gibt es da eventuell ein Problem mit der Autorität?
Das hatten wir vorher auch gedacht. Aber wir haben mit den Jungs gesprochen und ihnen gesagt, dass wir das nur machen, wenn sie das in dieser Konstellation befürworten. Die Mannschaft selber ist ja an den Vorstand herangetreten und hat diese Möglichkeit vorgeschlagen. Manu und ich haben uns dann dafür entschieden. Und ich denke: Autorität war vorher schon da, als ich noch kein Trainer war, einfach von der Erfahrung her, die ich sammeln durfte oder gesammelt habe. Und von daher wissen die Jungs, dass wir ihnen keine Geschichten erzählen. Wir haben schon ein bisschen mehr erlebt und deshalb versuchen die Spieler das auch umzusetzen was man ihnen erzählt.



Bist du mit der Trainingsbeteiligung zufrieden?
Ja, sehr. Wenn man auf die Trainingsliste schaut, dann hat man die letzten Jahre beim TSV Seckmauern selten so viele Spieler gesehen, die zwei- oder auch dreimal in der Woche trainieren, vor allem auch Spieler aus der zweiten Mannschaft. Ich denke, an der Trainingsbeteiligung sieht man, dass die Jungs sehr viel Spaß haben.


Man hatte am Anfang hohe Saisonziele. Sind diese noch zu erreichen?

Wir, der Manu und ich glauben auf jeden Fall immer noch an die Mannschaft. Wenn innerhalb eines Spiels dann drei oder vier Leistungsträger mehrere Wochen weggefallen, dann ist es für jede Mannschaft schwer. Damit kann man vorher nicht rechnen. So schlimm haben wir es uns auch nicht vorgestellt. Aber hier in Seckmauern legt man sehr viel Wert auf die Kameradschaft, was heißt, dass man kein Geld in die Hand nehmen wird, um irgendwelche Spieler zu holen, um dann einen Kader aus 15,16 gleichwertigen Spielern zu besitzen. Aber ich denke mal, wenn wir die nächsten Spiele wieder komplett sind, wird noch einiges möglich sein. Wir werden uns dann wieder im oberen Drittel der Tabelle festsetzen, speziell in der Rückrunde.


Ist vielleicht noch mehr möglich, wenn man z.B. eine Serie starten würde?
Schaut man auf die Tabelle, dann sind es schon zehn Punkte Rückstand auf Lengfeld. Klar, wenn man die Runde sieht, da ist keine Mannschaft dabei, die auch nur annähernd in der Lage ist, drei Spiele hintereinander zu gewinnen, dann ist natürlich noch einiges möglich. Aber wir müssen erst einmal sehen, dass wir wieder in Tritt kommen und ordentlich Punkte sammeln. Was am Ende dabei raus kommt sehen wir dann am 31. Mai.


In den letzten Wochen ging das Gerücht um, dass Sebastian Haag, der z.Zt. Spielertrainer in Mossau ist, in der Winterpause nach Seckmauern wechselt. Was ist da dran?
Mit Sebastian Haag ist es definitiv klar, dass er im Winter zu uns kommen wird. Ich kenne den Sebastian schon seit der B-Jugend aus Zell und habe mit ihm auch zusammen in Darmstadt gespielt. Der Kontakt kam einfach zustande. Da er auch schon mit dem Mirco Olt und Florian Kislinskiy zusammengespielt hat und auch die Jungs hier kennt, hat er sich dazu entschieden, zu uns zu kommen. Ihm gefällt einfach auch das Umfeld hier und das was der Verein für die Jungs macht. Allein mit der Ausstattung und den ganzen Sachen, die wir hier haben, so was kennen sogar oft nicht viele Regionaligavereine. Das sind Dinge, die auch zählen. Von der Kameradschaft hier hat er sich dann auch mehr oder weniger anstecken lassen. Es ist jetzt so, dass er seine Freigabe bekommen hat, war letzte Woche auch schon hier in Seckmauern und hat den Passantrag geholt. Er wird dann ab Dezember, wenn das letzte Spiel in der A-Klasse absolviert ist, für uns spielberechtigt sein. Besser gesagt, nach unserem Pokalspiel in Günterfürst, also am 13. Dezember.


Ist das auch ein Freundschaftsdienst für dich?
Gut, ich denke schon, dass das mit ein ausschlaggebender Punkt dafür war. Der Basti und ich kennen uns sehr sehr gut und können uns auch gut leiden. Es ist klar, dass so ein Spieler auch zwei/drei andere Angebote vorliegen hatte. Wir haben offen darüber gesprochen und es freut mich umso mehr, dass er sich für uns entschieden hat. Ich denke, dass er uns auf jeden Fall mit der Erfahrung, die er mitbringt, weiterhelfen kann und ein Stück Qualität und Stabilität in die Truppe hineinbringt. Er hat ja auch jahrelang Regionalliga gespielt.


Was glaubst du wie lange Sebastian Haag bleiben wird? Wird es nur ein kurzes Gastspiel werden?
Das weiß man im Fußball natürlich nie, was ist. Fußball ist einfach ein Tagesgeschäft……

Das hat man bei dir damals gesehen!
…….(schmunzelt)… gut, ich meine, das war damals von Viktoria Aschaffenburg ein Angebot für mich, das musste man einfach annehmen, aber …. dort wo es einem gefällt, da kommt man immer wieder gerne zurück. Mit dem Basti ist es so, dass es keine Sache nur für vier Monate sein soll. Er möchte gerne bei uns spielen, möchte den vielen Jugendspielern, die wir haben, weiterhelfen, so dass diese ein Stück nach vorne kommen. Von seiner Seite gibt es keine Signale, die sagen, dass er einfach nur drei/vier Monate bleibt. Dann hätte er im Winter auch woanders hingehen können, die Angebote waren da. Aber er hat sich für uns entschieden und plant über die Saison hinaus zu bleiben. Aber, wie gesagt, Fußball ist ein Tagesgeschäft…..


Und es gibt keinen in Seckmauern, der ihn für sein Engagement bezahlt?
Da ist nichts dabei. Das ist dieselbe Sache wie bei mir, als ich den Jungs zweimal in der Rückrunde der Gruppenliga geholfen habe. Da wurde ja auch viel erzählt, wie es sein kann, dass so ein Spieler für nix spielt. Ich habe für Null Cent gespielt. Und wenn ein Spieler wie ich das machen kann…. Deswegen muss man auch keine anderen Spieler holen, die irgendwelche Gelder haben wollen. Ich vertrete die Meinung, wenn Spieler da sind, die so viel Erfahrung haben und umsonst spielen, dann können das andere Spieler auch machen. Wir wollen nur Spieler haben, die gerne hier spielen, weil sie für den Verein spielen oder einfach mit den Jungs zusammenspielen wollen, die bereits hier sind. Auf solche Leute legen wir Wert, solche Leute versuchen wir zu holen und alles was Geld kostet ist einfach nicht zu machen.

Es sind noch mehr Namen im Gespräch, z.B. Tino Aulbach
Tino ist ein Cousin vom Manuel, so kam der Kontakt zustande. Er ist ein Spieler, der zu uns kommen will. Es ist momentan so, dass er seine Freigabe (vom SV Erlenbach) leider nicht bekommt. Da müssen wir mal abwarten, was sich in den nächsten 1-2 Monaten bis zur Winterpause oder während der Wechselperiode noch ergibt. Der dritte Name ist Dorian Siebenlist. Das ist eigentlich auch ein Eigengewächs, aus der Spielgemeinschaft mit Haingrund, der noch für die A-Jugend spielberechtigt ist, aber gerne zu uns zurückkommen will (auch vom SV Erlenbach). Und da sieht es ganz gut aus, dass er in der Rückrunde zu uns stößt und dann seine weitere fußballerische Entwicklung bei uns genießt.


Hast du vor längerfristig in Seckmauern zu bleiben, um hier etwas aufzubauen?
Ja, natürlich ……

Oder wartest du noch auf, sagen wir mal, höherklassige Angebote?
……Ich will nicht sagen, dass meine (Fußball)Zeit vorbei ist. Man sagt, mit 27 Jahren ist man im besten Fußballalter. Es ist so, dass ich immer noch Angebote bekomme, meistens aus dem Mannheimer Raum, wo ich jahrelang gespielt habe. Das letzte halbe Jahr Regionalliga in Aschaffenburg, da wollte ich einfach nochmal wissen, ob ich in der Lage bin, in dieser Klasse zu spielen. Und ich denke, das hat funktioniert. Ich habe von 17 Spielen 14 von Anfang an gespielt, war Stammspieler. Aber es ist so, dass mir die Jungs (beim TSV) in dem halben Jahr Gruppenliga wirklich ans Herz gewachsen sind. Ich denke, hier ist Potential vorhanden, es ist eine Truppe, die zusammenhält und es sind nicht nur die Elf aus der ersten Mannschaft, sondern da zähle ich alle 30-35 Mann dazu. Es ist egal, ob es die Alten sind wie z.B. der Katschi oder der Ratze oder die ganz ganz Jungen. Es macht Spaß und ich habe auf jeden Fall vor, hier zu bleiben. Angebote aus irgendwelchen höheren Klassen werde ich nicht mehr annehmen. Ich bin seit meinem 17. Lebensjahr durch die Welt getingelt, war ja kaum hier. Ich habe zwar in Haingrund 20 Jahre gewohnt, gesehen haben mich die Leute aber nur selten. Deshalb habe ich mich entschieden, vor der Haustür zu spielen.


Was sagst du dazu was zur Zeit bei der Viktoria in Aschaffenburg abgeht (Insolvenz)
So lange ich dort gespielt habe kann ich nichts Schlechtes über den Verein sagen. Die haben damals alles gemacht und getan als ich dort war. Das sind alles Spekulationen und ich weiß auch nicht wirklich, wie es dort finanziell aussieht. Momentan sieht es ja so aus, dass sie Insolvenz angemeldet haben, aber da kenne ich mich auch nicht so gut aus, da will ich jetzt auch nicht viel dazu sagen.


Am Sonntag geht es gegen den TV Nieder-Klingen. Deine Prognose zum Spiel? Seckmauern ist ja zur Zeit eine Wundertüte.
Ja, das stimmt. Wobei, als wir komplett waren, dann hatten wir die Liga 2-3 Wochen angeführt und auch sehr sehr gute Spiele gemacht. Unter den Spielen, die verloren wurden, waren einige mit sehr unglücklichem Ausgang für uns. Wenn wir komplett sind und keiner gesperrt oder verletzt ist, dann sind wir eine Mannschaft, die unter die ersten Fünf der Liga gehört. Am Sonntag muss man mal schauen. Es ist schwer eine Prognose abzugeben, da in dieser Klasse der Tabellenletzte den Tabellenersten schlagen kann. Wenn wir an die Leistungen anknüpfen können wie gegen Urberach oder speziell jeweils die erste Hälfte in Reichelsheim bzw. Münster, denke ich schon, dass wir etwas holen. Wir wollen auf jeden Fall zu Hause gewinnen, weil wir auch den vielen Zuschauern, die wir immer haben, kämpferisch und läuferisch eine gute Leistung zeigen wollen. Die drei Punkte sollen auf jeden Fall in Seckmauern bleiben. Eigentlich wollen wir immer gewinnen, manchmal funktioniert es halt nicht.

Vielen Dank für das Gespräch, Benjamin.

(Das Interview führte Ulrich Wagner am 20.11.09)